Die Geschichte der Casino-Spiele

Casino di Venizia | Foto: roadmap [CC BY 3.0], via Wikimedia Commons

Casino di Venizia | Foto: roadmap [CC BY 3.0], via Wikimedia Commons

Es gibt wirklich keinen plausiblen Grund, warum erwachsene Menschen das Spielen aufgeben sollten. Der entsprechende Trieb bleibt schließlich bei den meisten dauerhaft bestehen, er ändert sich nur über die Jahre ein wenig – und zielt dabei natürlich immer mehr auf »Spiele für Große« ab. Wenn du also weit über 18 Jahre alt bist und immer noch gern spielst, musst du gar kein schlechtes Gewissen haben: Das war quer durch die Menschheitsgeschichte bereits so und zeigt sich besonders deutlich an der historischen Entwicklung der Casino-Spiele.

Erste Kartenspiele entwickelten sich bereits im 12. Jahrhundert im ostasiatischen Raum, etwa 200 Jahre später erreichten sie Europa. Dort waren die Obrigkeiten immer wieder bemüht, das sogenannte »Gebetbuch des Teufels« rigoros zu verbannen, doch ohne nennenswerten Erfolg. Die meisten heute bekannten Kartenspiele haben ihre Wurzeln in Frankreich, der französische Hof pflegte damals ein sehr gespaltenes Verhältnis zu dieser Art der Freizeitbeschäftigung: Viele Herrscher konnten selbst nicht die Finger von den »verfluchten« Karten lassen, obwohl sie immer wieder Verbote erließen und harte Strafen aussprachen. Im 18. Jahrhundert entwickelten sich unsere heutigen doppelköpfigen Karten, ab dem 19. Jahrhundert blieben auch die Rückseiten nicht mehr schlichtweiß. Skat und Bridge kamen noch vor Rommé und Canasta auf, die beiden letztgenannten Spiele übernahmen zu Anfang des 20. Jahrhunderts das Zepter. Die beliebten Casino-Klassiker Poker und Blackjack nahmen noch einen jahrzehntelangen Umweg über die USA, um danach frisch aufpoliert in den europäischen Spielbanken zu landen.

Das Kartenspiel | by Paul Cézanne (Author), gemeinfrei (Licence)

Das Kartenspiel | by Paul Cézanne (Author), gemeinfrei (Licence)

Die Bezeichnung »Casino« entstammt der italienischen Sprache und bedeutet so viel wie »kleines Haus«. Gemeint war früher ein Ort, der Musik, Tanz und fröhliches Spiel unter einem Dach vereinte – gerade so, wie es die modernen Spielbanken zunehmend wieder ins Programm nehmen. Das allererste »echte« Casino eröffnete entsprechend auch in Italien, und zwar im Jahr 1638 in der Lagunenstadt Venedig. Sein Name lautete: »Casino di Venezia« – und es hat bis heute überdauert. Neben den üblichen klassischen Live-Spieltischen finden sich heute über 600 verlockend blinkende Spielautomaten in diesem historischen Entertainment-Palast. Es besteht ohnehin gar kein Zweifel, dass »Slot Machines« in der heutigen Zeit eine ganz zentrale Rolle auf dem Spielbank-Parkett einnehmen, doch ihr triumphaler Siegeszug begann bereits viel früher. Der allererste Automat dieser Art entstand 1877 in den USA, er nannte sich »Liberty Bell«. Dieser besaß drei Walzen mit fünf Symbolen und gilt noch heute als urtümliches Vorbild für alle Slot-Designer. Eine Symbiose aus Spielautomat und Pokermaschine entstand 1891, sie besaß fünf Walzen, die das Fünf-Karten-Pokerspiel simulierten. An jede Trommel hatten die Erfinder 50 Karten geklebt, sodass sich beim Stoppen der Maschine ein vollständiges Blatt ergab.

Auch das Roulettespiel gehört fest zum Reigen der modernen Casino-Klassiker, es soll ein Produkt des französischen Mathematikers Blaise Pascal sein. Dieser forschte im 17. Jahrhundert auf dem Gebiet der Wahrscheinlichkeitsrechnung und schuf sich zu diesem Zweck angeblich ein drehbares Zahlenrad, das zufällige Ergebnisse anzeigte. Allerdings haben bereits in der Antike gelangweilte römische Soldaten an ihren Kutschenrädern gebastelt und daraus weit entfernte Vorläufer des heutigen Roulettes gebaut. Auch die aus England stammenden, historischen Spiele »Ace of Hearts«, »Even-Odd« und »Roly Poly« weisen eine nicht zu verleugnende Ähnlichkeit zu der rasanten Kesselfahrt auf. Vor allem beim alten »Even-Odd« mit seiner Kombination aus drehbarem Kessel und Kugel, sowie seiner geraden und ungeraden Zahlen, lässt sich eine Verwandtschaft zum modernen Roulette kaum verleugnen.

Zum Schluss noch ein Wort zum allseits beliebten Blackjack: Auch hier liegt die Vergangenheit zu großen Teilen im Dunkeln und lässt sich nur fragmentarisch rekonstruieren. Die enge Verbindung zum französischen »Vingt-et-un«, zu Deutsch auch »Einundzwanzig« genannt, ist offensichtlich! Die direkte Abstammung lässt sich allerdings nicht nachweisen, wahrscheinlich entwickelte sich Blackjack tatsächlich zu Beginn des 18. Jahrhunderts aus diesem noch heute gern gesehenen Kartenspieldino. Danach folgte der bereits erwähnte Abstecher nach Nordamerika: In den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts sog die blühende Wüstenmetropole solche spannenden Spieleentwicklungen wie ein Schwamm auf und modifizierte sie je nach Bedarf. Im neuen, US-amerikanischen Blackjack erhielt der Sieger eine 10:1-Auszahlung, wenn er eine Kombination aus Pik-Ass (»Black«) und einem beliebigen Buben (»Jack«) vorlegen konnte. Der folgende Run auf das Kartenspiel war so enorm, dass die Casinos diese Regel allmählich wieder zurücknahmen, bis sie ganz in der Versenkung verschwand. Doch noch heute leitete sich der Name des Kartenspiels von dieser spannungsgeladenen Variante ab.

Nichts entsteht aus dem luftleeren Raum, auch die modernen Casinos besitzen ihre breitgefächerten geschichtlichen Wurzeln. Doch ihr eigentliches Fundament liegt darin, dass die Menschen ihren Spieltrieb niemals ablegen, nicht einmal, wenn sie bereits das Greisenalter erreicht haben. Darum macht es wenig Sinn, diesen in uns allen vorhandenen Drang zu unterdrücken: In geordnete Bahnen geleitet, wirkt das Spielen wie eine Befreiung!

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