Gibt es eine „Rest-Garantie“ bei Gebrauchtk√§ufen?

Wer gebrauchte Gegenst√§nde von privat kauft, sollte sich nicht von einer „Rest-Garantie“ blenden lassen.

Gerade auf Verkaufsplattformen wie ebay und Co. oder Kleinanzeigenseiten findet man immer wieder Angaben, die besagen, da√ü f√ľr die angebotene Ware noch eine Restgarantie des Herstellers bestehen w√ľrde. Als K√§ufer sollte man sich davon nicht blenden lassen, denn im Fall der F√§lle kann sich der Hersteller querstellen und Garantieanspr√ľche ablehnen.

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Zweitbesitzer haben in der Regel keinen Anspruch

Gerade bei schnellebigen aber teuren Produkten, wie Handys, Smartphones oder Tablet Computer, werben viele private Anbieter damit, da√ü auf das angebotene St√ľck noch eine Restgarantie bestehen w√ľrde. Das soll zum einen suggerieren, da√ü dieses Produkt noch relativ neuwertig ist, und zum anderen dem K√§ufer die Sicherheit geben, da√ü er bei einem nach dem Kauf auftretenden Hardwaredefekt nicht sein Geld aus dem Fenster geworfen hat, weil der Hersteller diesen Defekt innerhalb der Garantie kostenlos beseitigen wird.

Doch diese Sicherheit ist tr√ľgerisch. Nat√ľrlich ist die Ware noch relativ neuwertig, wenn der Verk√§ufer sein Smartphone bei einer Vertragsverl√§ngerung nach 24 Monaten durch ein neues ersetzt und das alter privat verkauft. Im Bereich Hardware von Kommunikationsger√§ten oder Computern sind 2 Jahre bei der derzeit immer noch anhaltenden st√ľrmischen technischen Entwicklung jedoch ein extrem langer Zeitraum. Doch v√∂llig veraltet ist solch ein Smartphone nach 2 Jahren nat√ľrlich noch nicht und d√ľrfte f√ľr die allermeisten Anforderungen locker gen√ľgen. Insofern kann man durchaus zum Kauf von gebrauchten Smartphones raten.

Bei der Garantie und einer eventuell bestehenden Rest-Garantie sieht dies jedoch ganz anders aus. Denn Zweitbesitzer haben in der Regel keinen Anspruch aus der von Hersteller ausgesprochenen Garantie.

Herstellergarantie vs. Gewährleistung

Leider verwechseln viele Verbraucher noch immer die gesetzliche Gewährleistung mit der freiwilligen Herstellergarantie bzw. vermischen diese.

Die gesetzliche Gew√§hrleistung besagt, da√ü eine Ware m√§ngelfrei √ľbergeben werden mu√ü, d.h. sie mu√ü f√ľr den vorgesehenen Verwendungszweck geeignet sein. Eine Herdplatte sollte beispielsweise so viel Hitze erzeugen, da√ü sich damit ein Steak braten l√§√üt. Schafft dies der Herd nicht, dann ist die Ware mangelhaft. Der H√§ndler mu√ü deshalb die Ware reparieren, umtauschen oder das Geld zur√ľckzahlen.
Sollte der Defekt innerhalb der ersten 6 Monate eintreten, geht man davon aus, daß die Ware von vornherein mangelhaft war. Geht die Ware erst später kaputt, dann muß der Käufer beweisen, daß die Ware von vornherein mangelhaft war. So steht es im Gesetz.

Eine Herstellergarantie ist dagegen immer eine freiwillige Leistung des Herstellers einer Ware. Die Art, den Umfang, die Laufzeit und welche Dinge sie umfaßt, all das kann der Hersteller in seiner Garantie völlig frei festlegen.
Somit kann der Hersteller auch festlegen, da√ü seine Garantie nur f√ľr den Erstk√§ufer der Ware gilt. Verkauft dieser die Ware weiter, ist die freiwillige Garantie automatsich weg.

Zweitbesitzer geht leer aus

Da√ü bedeutet, da√ü ein K√§ufer, der eine Ware von einem privaten Anbieter kauft, den Hersteller bzw. H√§ndler weder √ľber die Gew√§hrleistung noch √ľber die Garantie in Anspruch nehmen kann. Der Zweitbesitzer einer Ware geht dann in der Regel leer aus.

Er kann sich aber an den privaten Verk√§ufer halten, wenn dieser es vers√§umt hat, in seinen Verkaufsangaben jegliche Gew√§hrleistungsanspr√ľche auszuschlie√üen. Als privater Verk√§ufer d√ľrfte er dies n√§mlich und sollte es auch unbedingt machen. Vers√§umt er diesen Hinweis auf den Ausschlu√ü der Gew√§hrleistung jedoch, dann kann der Zweitbesitzer sich an den Vorbesitzer mit der Reklamation wenden, und der Vorbesitzer mu√ü den Schaden regulieren.

Fazit

Man sollte sich nicht von den Angaben einer vermeintlichen „Rest-Garantie“ blenden lassen. Vielmehr mu√ü man vor dem Kauf diese Punkte genau abchecken:

  • Besteht theoretisch noch eine Herstellergarantie?
  • L√§√üt es der Hersteller zu, da√ü diese Garantie auf andere √ľbertragen wird?
  • Ist der Kaufbeleg vielleicht anonym und k√∂nnte man deshalb auch als Zweitbesitzer Gew√§hrleistungsanspr√ľche gegen den H√§ndler durchsetzen?
  • L√§uft die Reklamation √ľber eine Seriennummer unabh√§ngig von Kundendaten? Das ist bei vielen technischen Ger√§ten der Fall.
  • Lassen die AGB auf der Rechnung eine Abtretung der Gew√§hrleistungsrechte zu?
  • Hat der private Verk√§ufer vergessen, die Gew√§hrleistungsanspr√ľche auszuschlie√üen?

Es gibt also auch f√ľr den Zweitbesitzer ein paar Schlupfl√∂cher, mit denen er seine gebrauchte Ware im Schadensfall reklamieren k√∂nnte. Blind verlassen sollte man sich darauf aber nicht, denn in der Regel gehen Zweitbesitzer leer aus.

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