Was sich für Bankkunden ab September ändert.

Demnächst können neben der Bank und dem Inhaber auch Dritte auf das Bankkonto zugreifen.

Die Digitalisierung schreitet voran, nicht zuletzt auch im Bankensektor. So wird es auch für deutsche Bankkunden im Herbst tiefgreifende Änderungen geben. Das geschlossene System „Bankkonto“ wird es in der jetzigen Form nicht mehr geben.
Wenn man weiß, wie konservativ vor allem Deutsche im Bezug auf ihr Konto, Bargeld und moderne Zahlungssysteme sind, darf man sich bereits jetzt auf den allgemeinen Aufschrei der Kunden „freuen“.

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Neue Zahlungsrichtlinie

Wie es sich gehört, kommen die Neuerungen mit einem äußerst sperrigen Begriff daher: Regelungen der zweiten europäischen Zahlungsdiensterichtlinie PSD2.

Doch was verbirgt sich hinter diesem Wortungetüm?

Wichtig sind für die Bannkunden vor allem drei Neuerungen:

  • Künftig können auch Drittanbieter auf Konten zugreifen
  • Bankkunden müssen sich beim Online-Banking immer mit einer zwei-Faktor-Methode identifizieren
  • Auch Kartenzahlungen im Internet müssen immer mit zwei Faktoren freigeben werden

Es wird also alles ein wenig komplizierter. Dafür soll das Online Banking aber vor allem auch sicherer werden. Doch obwohl das schon so oft versprochen wurde, fanden Hacker und Betrüger bisher immer Mittel und Wege, um sich zu bereichern. Und das wird sicherlich auch nach den Neuerungen im Herbst der Fall sein. Im Zweifel wird also auch weiterhin der Kunde der Dumme sein, das kann man sich bereits jetzt ausrechnen*.

Kommen wir aber einmal zu den drei Neuerungen im Einzelnen.

Was sind Drittanbieter?

Mit Drittanbieter sind Firmen oder Dienstleister gemeint, die die Infrastrukturen von Banken nutzen, ohne selbst solche zu betreiben. Solche Anbieter können künftig Zahlungen auslösen, Zahlungskarten ausgeben und Kontoinformationen sammeln und bündeln. Damit sollen viele Geschäfte und Transaktionen im Online-Handel schneller und einfacher werden.

Wenn die Kunden es zulassen, jeder Bankkonto-Inhaber muss dem explizit zustimmen, können Dienstleister also künftig direkt auf das Bankkonto zugreifen, wenn ein Kunden etwas kaufen möchte. Amazon müsste beispielsweise nicht mehr auf eine Überweisung warten oder den Umweg über Paypal gehen, sondern kann stattdessen das Geld für den Onlinekauf direkt vom Konto des Kunden holen. Das spart Zeit und Kosten.

Aber auch anderen Dienstleistern wird die Arbeit dadurch erleichtert, wenn sie beispielsweise ein App anbieten wollen, die sämtliche Kontostände eines Kunden bei verschiedenen Banken in Echtzeit in einer Übersicht anzeigen soll. Die Möglichkeiten, die sich durch den direkten Zugriff auf das Bankkonto ergeben, sind riesig. Dazu wird es in den nächsten Monaten garantiert viele neue Ideen geben.

Wichtig ist dabei allerdings: Ohne die Zustimmung des Bankkonto-Inhaber geht nichts. Die Erlaubnis des Kunden ist immer die zwingende Voraussetzung für den Zugriff von Drittanbietern auf das Konto. Das verhält sich mit der Mandatsreferenz beim IBAN System ja ganz ähnlich. Insofern Entwarnung. Wer den Zugriff Dritter nicht will, kann dem auch widersprechen bzw. diesen nicht zulassen.

Was ist neu beim Online-Banking?

Wer heute noch eine iTAN-Liste für sein Online Banking nutzt, der dürfte sehr bald Post von seiner Bank bekommen. Die iTAN ist nämlich spätestens ab dem 14. September 2019 Geschichte. Dann gilt laut Bankenverband die gesetzliche Pflicht zur sogenannten starken Kundenauthentifizierung. Die iTAN Liste kann dann getrost geshreddert werden.

Künftig reicht für die Anmeldung beim Online Banking nicht mehr nur ein Passwort. Jeder muss sich dann immer mit zwei von drei möglichen Faktoren identifizieren. Solche Faktoren können biometrische Merkmale, wie der Fingerabdruck (Faktor „Sein“), eine PIN (Faktor „Wissen“) oder ein Smartphone (Faktor „Besitz“) sein.

Dieses Verfahren der Anmeldung ist künftig auch bei jeder Transaktion vorgeschrieben. Das betrifft auch Kartenzahlungen im Netz, die immer mit mindestens zwei Faktoren freigegeben werden müssen.

Fazit

Die meisten Bannkunden werden in den nächsten Wochen und Monaten von ihrer Bank Post bekommen. Darin wird noch einmal gründlich über die neue Zahlungsrichtlinie und die sich daraus ergebenen Änderungen im normalen Umgang beim Online Banking und Online Shopping informiert.

Man darf aber wohl bereits jetzt davon ausgehen, dass es vor allem in den ersten Monaten zu einigen Schwierigkeiten kommen wird. Denn neben den Bankkunden sind auch die Banken selbst nicht gerade für Innovationsfreude bekannt. Und genau das wird einigen alten Banken auch zu einem Problem erwachsen, wenn Drittanbieter plötzlich direkten Zugriff auf die Bankkonten haben und schnellere und bessere Dienstleistungen anbieten können. Die alten Banken braucht man nur noch als Betreiber der Infrastruktur, das Geschäft mit den Bankkunden machen dann andere.

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