Bestellerprinzip: Einige Makler versuchen das neue Recht zu umgehen

Manche Immobilienmakler versuchen zu tricksen. Wohnungssuchende mĂŒssen aufpassen.

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Es gibt in der deutschen Wirtschaft noch immer ein paar Inseln der GlĂŒckseligkeit. Dazu zĂ€hlen BlumenhĂ€ndler, MöbelgeschĂ€fte, Matratzenhersteller und Mode-Boutiquen. Dort werden in der Regel Margen erzielt, von denen der Rest der Unternehmen nur trĂ€umen kann.

Auch die Zunft der Immobilienmakler gönnte sich bisher ein leichtes Leben an der Sonne. Die Vermieter beauftragten die Makler mit der Vermittlung einer Wohnung oder eines Hauses, die Makler machten ein paar Fotos, erstellten ein ExposĂ© und fĂŒhrten interessierte kĂŒnftige Mieter durch das entsprechende Mietobjekt. Das war es im Prinzip, was die Makler leisteten. DafĂŒr kassierten sie bis zu 2,38 Monatskaltmieten zuzĂŒglich Mehrwertsteuer als Provision. Zahlen mußten dafĂŒr die Mieter, die das auch taten, da sie sonst keine Wohnung bekommen hĂ€tten.

Bestellerprinzip gilt seit Juni

Nun ist das Paradies fĂŒr die Makler ernsthaft gefĂ€hrdet. Seit dem 01. Juni 2015 gilt das sogenannte Bestellerprinzip auf dem deutschen Wohnungsmarkt. Und das bundesweit, nicht wie die Mietpreisbremse, die vorerst nur in Berlin gilt. Das Bestellerprinzip setzt die alte Kaufmanns-Gepflogenheit wieder in Kraft, nach dem der etwas bezahlen muß, der dies auch bestellt hat. Demnach mĂŒssen nun die Vermieter die Provision der Immobilienmakler bezahlen, nicht mehr die Mieter.

Das wird unweigerlich dazu fĂŒhren, daß die AuftrĂ€ge der Makler merklich zurĂŒckgehen werden. Wenn der Vermieter die Provision zahlen muß, dann wird er seine Komfortzone verlassen und plötzlich wieder ganz allein in der Lage sein, seine Wohnung unter die Leute zu bringen. Die Lokalzeitungen mit ihrem Anzeigenteil und die einschlĂ€gigen Immobilienportale reiben sich bereits die HĂ€nde. Die Makler gehen leer aus. Die Maklerdichte und die Dichte der MaklerbĂŒros in deutschen InnenstĂ€dten wird in den kommenden Monaten merklich abnehmen.

Die Tricks der Makler und Vermieter

Doch so schnell wollen sich die Immobilienmakler nicht geschlagen geben. Und so versuchen einige von ihnen mit allerlei Tricks, auch weiterhin die Mieter in die Pflicht zur Zahlung der Provision zu nehmen. Zwar drohen ihnen Bußgelder von bis zu 25.000 Euro bei einem Verstoß gegen das Bestellerprinzip, doch bevor sie ihr BĂŒro ganz schließen mĂŒssen, werden einige auch versuchen, zu solchen Tricks zu greifen, wie sie in der untenstehenden Liste aufgefĂŒhrt sind.

Immobilie als Geldanlage

Immobilie als Geldanlage

Mit diesen Tricks könnten Makler und/oder Vermieter versuchen, den Mietern das Geld aus der Tasche zu ziehen:

  • AushĂ€ndigung des ExposĂ© nur gegen Unterschrift unter einen Auftrag fĂŒr den Makler, gern auch ganz kurzfristig beim Besichtigungstermin.
    Überrumpelte Mieter brauchen aber trotzdem nicht zahlen oder können ihr Geld zurĂŒckfordern.
  • Überhöhte Abstandszahlungen fĂŒr Möbel, KĂŒchen und AusstattungsgegenstĂ€nde. So wollen vor allem Vermieter ihre Maklerkosten wieder hereinholen.
    Auch hier können Mieter ihr Geld zurĂŒck verlangen, wenn der Wert der GegenstĂ€nde und die geforderte Abstandszahlung in einem MißverhĂ€ltnis stehen.
  • Überhöhte bzw. stark erhöhte Mieten. Damit könnten Vermieter versuchen, die Maklerkosten zu refinanzieren.
    Leider können Vermieter – solange die Mietpreisbremse nicht ĂŒberall gilt – die Mieten uneingeschrĂ€nkt erhöhen. Hier können nur Angebot und Nachfrage fĂŒr einen Ausgleich sorgen. Doch im Moment haben die Vermieter dabei meist die besseren Karten.

Wohnungssuchende sollten also ganz genau aufpassen, wenn ein Makler – womöglich sogar Hand in Hand mit dem Vermieter – versucht, sie ĂŒber den Tisch zu ziehen. Das seit Anfang Juni geltende Bestellerprinzip gibt ihnen dabei mehr Rechte.
In angespannten WohnungsmĂ€rkten, wie Hamburg oder MĂŒnchen, wird ihnen das allerdings nur wenig nutzen. Wer hier eine Wohnung sucht, wird wohl auch weiterhin tief in die Tasche greifen mĂŒssen, wenn er ĂŒberhaupt eine Chance auf eine neue Bleibe haben will.

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